Perspektive 1 - Ralf Das Date lief besser als erwartet. Nicht, dass ich wenig erwartet hätte. Anja sah auf ihren Bildern gut aus. Aber zwischen Bildern und einem echten Samstagabend lagen heutzutage ja manchmal Welten. Bei ihr nicht. Sie war sogar hübscher als auf den Fotos. Ruhiger irgendwie. Echter. Während sie sprach, spielte sie immer wieder mit ihren langen braunen Haaren, als müsste sie irgendwas mit ihren Händen machen. Nervosität vielleicht. Vor uns standen leere Gläser und ein Korb mit ein paar übrig gebliebenen Pommes. Ihren Burger hatte sie fast komplett aufgegessen, was ich sehr sympathisch fand. Das Letzte, was ich an diesem Abend gebraucht hätte, wäre irgendein Püppchen gewesen, das sich ausschließlich von Salat und Tofu ernährte. Der Außenbereich war inzwischen ziemlich voll geworden. Samstagabend eben. Hinter uns klirrten Gläser, irgendwo lachte jemand viel zu laut und jedes Mal wenn die Tür aufging, zog der Geruch von Fett, warmem Brot und frittierten Kartoffeln nach draußen. Trotz der langsam kühler werdenden Luft zog Anja ihre Strickjacke nie ganz zu. Ich mochte den Abend. Auch wenn dieser berühmte Funke bisher noch fehlte. Doch das Date neigte sich langsam dem Ende zu. Die Gespräche wurden ruhiger, zwischen manchen Sätzen entstand inzwischen dieses angenehme Schweigen, das entweder ein sehr gutes oder ein ziemlich durchschnittliches Zeichen sein konnte. Ich war mir noch nicht sicher, was davon auf uns zutraf. Ich wusste auch nicht, ob ich sie später noch begleiten sollte oder ob das schon zu aufdringlich wirken würde. Andererseits hatte ich das Gefühl, dass Anja mich mehr mochte als ich sie. Und falsche Hoffnungen wollte ich ihr eigentlich keine machen. Also sah ich zu den leeren Gläsern und dem zerknüllten Burgerpapier zwischen uns hinüber. „Sollen wir zahlen?“ fragte ich. Anja hob kurz den Blick von ihrem Glas. „Ja“, sagte sie leise. Fast ein bisschen zu leise. Dabei spielte sie wieder mit einer Haarsträhne und für einen kurzen Moment meinte ich, sogar leichte Nervosität in ihrer Stimme zu hören. Irgendwie machte genau das sie sympathisch. Ich lehnte mich etwas zurück und griff bereits nach meinem Geldbeutel. „Ich zahl“, sagte ich möglichst selbstverständlich. „Wenn du nichts dagegen hast.“ „Nein.“ Ihre Antwort kam überraschend direkt. Fast schon entschlossen. Ich zog leicht die Augenbrauen hoch. „Lass uns lieber eine Challenge machen“, sagte sie. „Etwas Verrücktes. Der Verlierer zahlt.“ Jetzt musste ich lachen. „Was denn bitte für eine Challenge?“ fragte ich. „Was sollen wir hier am Tisch schon Verrücktes machen?“ Anja dachte erst gar nicht nach. „Armdrücken.“ Die Antwort kam so schnell, dass sie mich komplett überrumpelte. Und offenbar nicht nur mich. Kaum hatte sie das Wort ausgesprochen, musste sie selbst kurz grinsen und sah einen Moment verlegen auf den Tisch, als wäre sie gerade überrascht darüber, was da eben aus ihrem Mund gekommen war. „Armdrücken?“ Ich musste lachen. „Du willst ernsthaft Armdrücken? Wie kommst du denn bitte auf so eine Idee?“ „Warum nicht?“ fragte sie und zuckte leicht mit den Schultern. „Hast du etwa Angst?“ „Ganz ehrlich?“ Ich grinste. „In diesem Moment schon.“ Anja musste lachen, sah danach aber sofort wieder kurz auf den Tisch, als hätte sie selbst noch nicht ganz verarbeitet, dass sie das hier wirklich vorgeschlagen hatte. Innerlich fragte ich mich dagegen langsam ernsthaft, was das jetzt eigentlich werden sollte. Doch Anja meinte es scheinbar ernst. Noch bevor ich überhaupt etwas erwidern konnte, begann sie bereits damit, den Tisch freizuräumen. Die Speisekarte samt Halter, die leeren Teller und selbst den Pommeskorb stellte sie nacheinander auf den freien Stuhl neben unserem Tisch. Dabei wirkten ihre Bewegungen plötzlich deutlich hektischer als vorher. Fast nervös. Als sie nach einem der Gläser griff, bemerkte ich zum ersten Mal, dass ihre Hände leicht zitterten. „Du weißt schon, was du da tust?“ Ich konnte mir ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen. Die ganze Situation war eigentlich komplett bescheuert. Zwei Leute beim ersten Date, Samstagabend, Burgerladen… und plötzlich räumte eine leicht nervöse Achtzehnjährige den Tisch frei, um mit mir Armdrücken zu machen. Irgendwie sinnlos. Irgendwie aber auch süß. Trotzdem versuchte ich mir nicht anmerken zu lassen, wie köstlich ich mich innerlich gerade über diese absurde Situation amüsierte. Sie lockerte ihre Arme, als würde sie sich gleich auf irgendeinen olympischen Wettkampf vorbereiten. Allein das brachte mich fast wieder zum Grinsen. Doch dann veränderte sich ihr Gesichtsausdruck plötzlich. Das unsichere Lächeln verschwand langsam und wich einer konzentrierten Anspannung, die ich an ihr bisher noch gar nicht wahrgenommen hatte. Sie meinte das hier tatsächlich ernst. So saß sie plötzlich vor mir. Den rechten Arm angewinkelt auf dem Tisch, die Hand offen, bereit meine zu greifen. Ihr Blick wirkte entschlossener als noch den ganzen Abend zuvor. Nicht aggressiv. Aber ernst. Fast so, als hätte sie sich innerlich gerade vorgenommen, irgendetwas beweisen zu wollen. Ich bemerkte inzwischen auch ein paar neugierige Blicke von den Nachbartischen. Offenbar fiel es selbst in einem Laden wie diesem auf, wenn plötzlich ein Mann und eine junge Frau beim ersten Date Armdrücken veranstalteten. Und obwohl ich die ganze Situation eigentlich immer noch ziemlich lustig fand, verlor ich langsam einen Teil meiner Selbstverständlichkeit. Hatte ich irgendwas verpasst? War sie vielleicht doch stärker, als sie wirkte? Oder war das einfach nur überraschend gesundes Selbstbewusstsein? Das Verrückteste daran war allerdings, dass mir genau das irgendwie gefiel. Aber warum eigentlich? Ein paar Sekunden später fing ich mich innerlich wieder. Schließlich wollte ich sie ja ohnehin gewinnen lassen. Der Verlierer sollte zahlen und ich hatte definitiv nicht vor, eine Achtzehnjährige ernsthaft beim Armdrücken wegzudrücken. Also legte ich meinen Arm ebenfalls auf den Tisch und ergriff ihre Hand. Der Tisch wirkte plötzlich deutlich kleiner als vorher. Jetzt musste ich innerlich doch wieder schmunzeln. Ihr Griff fühlte sich weich an. Fast zierlich. Kein bisschen einschüchternd. Sie machte also doch nur eine kleine Show daraus. Mit ihr würde ich jetzt spielen. „Bei drei geht’s los“, übernahm Anja plötzlich das Kommando. Ich musste erneut grinsen. „Eins…“ „Zwei!“ Ich fiel ihr absichtlich ins Wort und musste mir ein Lachen verkneifen. Für mich war das Ganze immer noch eher eine alberne Situation als ein echter Wettkampf. Doch Anja schien das deutlich weniger lustig zu finden als ich. Für einen kurzen Moment wirkte sie tatsächlich aus dem Konzept gebracht. Nicht beleidigt. Aber irritiert. Fast so, als hätte ich gerade gegen irgendwelche unsichtbaren Regeln verstoßen. Ich nickte ihr schließlich zu, um ihr zu zeigen, dass sie weitermachen konnte. Anja holte kurz Luft. „Eins…“ Diesmal begann sie tatsächlich komplett von vorne. „Zwei…“ Ihr Blick blieb plötzlich erstaunlich konzentriert. „Drei!“ Ihr Griff wurde schlagartig fester. Deutlich fester, als ich erwartet hatte. Eigentlich hatte ich zuerst nur locker dagegenhalten wollen. Einfach ein bisschen Widerstand, mehr aus Spaß als aus Ehrgeiz. Doch schon im ersten Moment musste ich deutlich mehr arbeiten als gedacht. Für den Bruchteil einer Sekunde geriet mein Arm sogar leicht in Bewegung, bevor ich den anfänglichen Nachteil schnell wieder ausglich. Dann verharrten unsere Arme plötzlich mitten über dem Tisch. Ich spürte sofort, dass Anja wirklich dagegenhielt. Nicht wild oder hektisch, sondern überraschend kontrolliert. Trotzdem nahm ich nach wenigen Sekunden merklich wieder Spannung raus. Ich wollte sie schließlich gewinnen lassen, aber eben nicht so offensichtlich, dass es peinlich wirkte. Anjas Griff wurde plötzlich wieder lockerer. Der Widerstand ließ nach und ihr Gesichtsausdruck veränderte sich sofort. Zum ersten Mal wirkte sie tatsächlich ein wenig resigniert. „Du nimmst das gar nicht ernst“, sagte sie hörbar enttäuscht. Ich musste leicht grinsen. „Doch“, erwiderte ich. „Ich möchte dich nur nicht direkt sofort schlagen.“ Kaum hatte ich den Satz ausgesprochen, arbeitete ihre Hand plötzlich wieder spürbar gegen meine. Und diesmal deutlich energischer. Ich musste mich nun tatsächlich anstrengen, um unseren Griff überhaupt noch mittig zu halten. Okay. Für ein Mädchen hatte sie wirklich überraschend viel in ihrem Arm. Nicht absurd. Nicht unrealistisch. Aber definitiv genug, dass ich inzwischen ernsthaft dagegenhalten musste. Und trotzdem hatte ich merkwürdigerweise das Gefühl, dass selbst das noch nicht alles war. Als würde sie sich weiterhin zurückhalten. Anja hob den Blick von unseren Händen und sah mich direkt an. Ihr Gesicht wirkte plötzlich komplett konzentriert. Kein schüchternes Lächeln mehr. Keine Nervosität. Sie machte mir wortlos klar, dass sie das hier jetzt ordentlich zu Ende bringen wollte. Trotzdem konnte ich mir ein kleines Sticheln nicht verkneifen. „Kommt da heute noch was?“ fragte ich mit demonstrativ gelangweilter Stimme. „Uff!“ Das rutschte mir tatsächlich hörbar heraus. Praktisch im selben Moment legte Anja plötzlich so stark nach, dass mein Arm gefährlich weit zur Seite kippte. Für einen Sekundenbruchteil dachte ich wirklich, ich würde sofort verlieren. Mit Mühe fing ich mich wieder ab und brachte unseren Griff zurück in die Mitte.
Heilige Scheiße. Wo kam das plötzlich her? Den ganzen Abend über war das überhaupt kein Thema gewesen. Keine Gymgeschichten, kein Sportgerede, nichts. Und trotzdem drückte mir diese scheinbar schüchterne Achtzehnjährige gerade ernsthaft den Arm weg. Langsam begann meine Souveränität zu bröckeln. Nicht sichtbar hoffentlich. Aber innerlich schon. Denn viel mehr hatte ich ehrlich gesagt nicht mehr übrig. Ich musste inzwischen richtig arbeiten, um überhaupt noch mitzuhalten. Und das Verrückteste daran: Ich war mir nicht einmal sicher, ob Anja schon alles gab. Für einen kurzen Moment schoss mir plötzlich durch den Kopf, was die Leute an den Nachbartischen wohl gerade denken mussten. Wahrscheinlich sah das hier längst nicht mehr so locker aus, wie ich gehofft hatte. Ich machte mich doch komplett zum Affen. Wenn ich hier ernsthaft gegen eine Frau verlor, würde ich mir das vermutlich noch wochenlang selbst anhören dürfen. Nein. Das Spiel war vorbei. Bis eben hatte ich noch halb herumgealbert und versucht, die Sache charmant aussehen zu lassen. Doch langsam wurde mir klar, dass ich das hier tatsächlich gewinnen musste. Und zwar richtig. Ich würde jetzt einmal ernst machen, sie langsam runterdrücken… und kurz vor Schluss wieder nachgeben, damit sie am Ende doch noch gewann. So konnte ich großzügig wirken und gleichzeitig trotzdem klarstellen, wer hier eigentlich der stärkere von uns beiden war. Mit meiner letzten Reserve setzte ich meinen Arm jetzt selbst in Bewegung. Endlich. Zum ersten Mal an diesem Abend durchbrach ich ihren Widerstand wirklich und drückte unsere Hände Stück für Stück in ihre Richtung. Sofort kehrte ein Teil meiner Sicherheit zurück. Da war er ja doch noch, der Unterschied zwischen uns. Doch kaum hatte ich sie scheinbar unter Kontrolle, sammelte Anja sich wieder. Und plötzlich arbeitete sie erneut dagegen. Nicht hektisch. Nicht panisch. Einfach entschlossen. Mein Arm geriet ins Stocken. Mist. Ich hatte sie doch fast genau da, wo ich sie haben wollte. Wo nahm sie das plötzlich her? Innerhalb weniger Sekunden verlor ich wieder Zentimeter um Zentimeter. Ich stemmte mich mit allem dagegen, was ich noch hatte, konnte sie aber nicht mehr richtig aufhalten. Für einen kurzen Moment hielt ich unsere Hände noch irgendwie in der Mitte. Dann kam von Anja ein letzter, überraschend explosiver Impuls. Unsere Hände knallten auf den Tisch. Ich hatte verloren. Nicht absichtlich. Nicht großzügig. Nicht weil ich es so geplant hatte. Egal wie ich es drehte: Sie hatte mich gerade wirklich besiegt. Und das Verrückteste daran war: Plötzlich wollte ich überhaupt nicht mehr, dass dieser Abend vorbei war. Trotzdem versuchte ich meinen inneren Schock möglichst gut zu überspielen. Ich wusste sofort, dass ich mir jetzt bloß nichts anmerken lassen durfte. „Wow“, sagte ich und schüttelte leicht lachend den Kopf. „Du bist echt stark. Du hast mich klar besiegt. Natürlich bezahle ich die Rechnung.“ Ich lachte dabei und versuchte möglichst locker zu wirken, während ich langsam meine inzwischen leicht schmerzende Hand öffnete. Innerlich wusste ich dagegen überhaupt nicht mehr, was ich gerade eigentlich fühlte. Scham? Vielleicht. Bewunderung? Definitiv. Irgendetwas dazwischen, das ich in diesem Moment noch gar nicht richtig einordnen konnte? Wahrscheinlich auch das. Denn egal wie ich es drehte: Diese scheinbar schüchterne Achtzehnjährige hatte mich gerade ernsthaft beim Armdrücken besiegt. Und nicht knapp. Anja dagegen wirkte plötzlich überhaupt nicht triumphierend. Im Gegenteil. Während ich noch versuchte, meinen eigenen Schock hinter einem Grinsen zu verstecken, sah sie eher nachdenklich aus. Fast enttäuscht. Und genau das verwirrte mich noch mehr. War sie traurig darüber, dass sie gewonnen hatte? Hatte sie gehofft, ich würde stärker sein? Oder hatte sie gerade Angst, dass ich sie jetzt plötzlich anders sah? Anja spielte plötzlich wieder mit einer Haarsträhne, fast genauso nervös wie zu Beginn des Abends. Als hätte es die letzten Minuten überhaupt nicht gegeben. Der Kellner brachte inzwischen die Rechnung und ich zog ohne Kommentar meinen Geldbeutel hervor. „Danke“, sagte sie leise. Diesmal wirkte ihre Stimme wieder deutlich unsicherer. Für einen kurzen Moment sahen wir uns einfach nur an, während hinter uns weiter Gläser klirrten und irgendwo jemand viel zu laut lachte. Komisch. Vor einer halben Stunde hatte ich noch gedacht, dass dieser Abend wahrscheinlich ohne große Folgen enden würde. Jetzt war ich mir plötzlich bei gar nichts mehr sicher.
Perspektive 2 - Der Nachbartisch
„Siehst du?“ triumphierte sie leise. „Er muss richtig kämpfen.“
Ihn ließ das dagegen völlig kalt.
„Er macht das gut“, sagte er entspannt. „Er lässt ihr die Führung, ohne sie irgendwie vorzuführen.“
Kurz darauf hörten beide vom Nachbartisch:
„Du nimmst das gar nicht ernst.“
Er grinste sofort leicht.
„Da. Jetzt hat sie’s sogar selbst gemerkt.“
Sie sah weiter interessiert zu den beiden hinüber.
„Ich frag mich trotzdem, warum sie unbedingt die Rechnung zahlen will.“
„Vielleicht will sie einfach nicht eingeladen werden.“
„Mhm…“
Er zuckte leicht mit den Schultern und nahm wieder einen Schluck von seiner Cola.
„Oder sie wollte einfach irgendeinen lustigen Grund draus machen.“
Für ihn war die Sache längst klar.
Der Typ spielte das Ganze locker runter, ließ sie ein bisschen gewinnen und danach würden wahrscheinlich beide lachen.
Mehr war das in seinen Augen nicht.
„Da“, sagte er irgendwann und nickte leicht Richtung Nachbartisch. „Jetzt macht er ernst.“
Tatsächlich bewegten sich die Hände des jungen Mannes langsam in Richtung Sieg.
„Er hat sie fast.“
Sie dagegen blieb skeptisch.
„Nee… irgendwas ist komisch.“
„Babe“, sagte er grinsend, „der lässt jetzt gleich ganz gentlemanlike nach und verliert total überraschend.“
Sein ironischer Unterton war nicht zu überhören.
Und genau in diesem Moment knallten die Hände auf den Tisch.
„Sie hat gewonnen!“ sagte sie sofort begeistert, allerdings deutlich leiser, als sie eigentlich wollte.
Er dagegen musste nur kurz grinsen.
„Ja, der Bro hat das echt gut verkauft.“
Damit war das Thema für ihn praktisch erledigt.
Er griff nach seiner Jacke und stand langsam auf.
„Komm“, sagte er. „Wir zahlen jetzt aber ganz langweilig. Ohne Turniermodus.“
Wenige Sekunden später beschäftigten sich beide schon wieder mit ihrem eigenen Abend.
Der Nachbartisch war längst vergessen.
Perspektive 3 - Anja
Eigentlich hätte ich längst entspannter sein müssen.
Das Date lief gut. Wirklich gut sogar.
Ralf war witzig, aufmerksam und zum Glück überhaupt nicht so geschniegelt cool, wie manche Typen auf Dating-Apps es vorher immer groß ankündigten. Bei ihm wirkte alles angenehm normal.
Vielleicht schon zu normal.
Und genau das wurde langsam mein Problem.
Denn je länger der Abend dauerte, desto mehr bekam ich das Gefühl, dass er mich zwar mochte… aber eher auf diese lockere „Du bist echt cool drauf“-Art.
Nicht auf diese: „Bitte geh heute nicht nach Hause und heirate mich stattdessen spontan in Las Vegas“-Art.
Super.
Friendzone beim ersten Date.
Wahrscheinlich Weltrekord.
Während er irgendetwas erzählte, nickte ich zwar interessiert, dachte innerlich aber längst komplett woanders.
Okay Anja. Ganz ruhig. Vielleicht ist er einfach entspannt. Vielleicht denkt er gerade exakt dasselbe. Vielleicht wirkt er nur souverän. Vielleicht—
„Sollen wir zahlen?“ fragte Ralf plötzlich.
Ach du Scheiße.
Natürlich fragte er das jetzt.
Weil normale Menschen irgendwann nach Hause fahren.
Natürlich.
Das war schließlich ein Date und keine sechsteilige Netflix-Serie.
Anja, lass dir was einfallen…
„Ja.“
Oh toll. Kreativ wie ein Sandwichbrot.
Mensch, gib dir Mühe.
„Ich zahl. Wenn du nichts dagegen hast.“
Anja, aufwachen. Tu irgendwas!
„Nein!“
Wow.
Das war ja sogar mal energisch von mir.
Und jetzt?
„Lass uns lieber eine Challenge machen“, hörte ich mich sagen. „Etwas Verrücktes. Der Verlierer zahlt.“
Ein Königreich für eine Idee.
„Was denn bitte für eine Challenge?“ fragte Ralf lachend. „Was sollen wir hier am Tisch schon Verrücktes machen?“
Schnell. Denk nach. Irgendwas Sinnvolles.
„Armdrücken!“
Oh Gott.
Perfekt, Anja. Gleich beim ersten Date komplett den Verstand verloren.
„Armdrücken?“ Ralf musste lachen. „Du willst ernsthaft Armdrücken? Wie kommst du denn bitte auf so eine Idee?“
Wenn ich das mal selbst wüsste.
„Warum nicht?“ fragte ich und versuchte deutlich souveräner zu klingen, als ich mich gerade fühlte. „Hast du etwa Angst?“
„Ganz ehrlich?“ Er grinste. „In diesem Moment schon.“
Toll gemacht, Anja.
Jetzt hält er dich komplett für verrückt.
Aber zurück gab es jetzt irgendwie auch nicht mehr.
Oh Gott.
Armdrücken.
Das war doch Jahre her, dass ich das überhaupt mal gemacht hatte.
Und ausgerechnet jetzt musste ich natürlich so tun, als wäre das hier eine völlig normale Idee.
Come on. Zieh das jetzt wenigstens durch.
Während ich hektisch begann, Teller und Gläser vom Tisch zu räumen, spürte ich plötzlich selbst, wie nervös ich geworden war.
Meine Hände zitterten leicht.
Super.
Ralf bemerkte das natürlich sofort.
„Du weißt schon, was du da tust?“
Ich musste grinsen.
Ach Hase.
Schon lange nicht mehr.
Aber egal.
Wenn ich jetzt plötzlich albern wurde oder zurückruderte, verlor ich sofort jede Glaubwürdigkeit.
Ich hoffte nur, dass er mich nicht komplett offensichtlich gewinnen ließ.
Ach, mach dir nichts vor, Anja.
Natürlich wird er dich gewinnen lassen.
Aber bitte wenigstens nicht aus Mitleid.
Bitte nimm mich einfach ernst.
Ich setzte mich wieder richtig hin und legte den Arm auf den Tisch.
Allein das fühlte sich plötzlich deutlich offizieller an, als mir lieb war.
Oh Gott.
Wir machen das hier wirklich.
Ralf setzte sich mir grinsend gegenüber und legte ebenfalls seinen Arm auf den Tisch.
Natürlich wirkte er komplett entspannt.
Warum auch nicht.
Der Mann musste ja wahrscheinlich nicht befürchten, sich gleich komplett zu blamieren.
Als sich unsere Hände berührten, merkte ich sofort, wie warm seine Hand war.
Und leider machte genau das mich noch nervöser.
Perfekt.
Jetzt kriegst du wegen einer Hand direkt Schnappatmung.
„Bei drei geht’s los“, sagte ich möglichst souverän.
„Eins…“
„Zwei!“
Natürlich fiel er mir absichtlich ins Wort und grinste dabei auch noch zufrieden.
Für eine Sekunde brachte mich das wirklich aus dem Konzept.
Nicht schlimm.
Aber genug, dass ich plötzlich genervter war, als ich erwartet hätte.
Ich wollte gerade etwas sagen, ließ es dann aber.
Nein.
Jetzt bloß nicht wie eine beleidigte Zwölfjährige wirken.
Ich nickte stattdessen nur kurz.
„Eins…“ begann ich nochmal.
Diesmal ließ er mich ausreden.
„Zwei…“
Okay.
Jetzt bloß nicht komplett verkrampfen.
„Drei.“
Im selben Moment versuchte ich gegenzuhalten.
Nicht komplett halbherzig. Aber eben auch nicht so, als würde mein Leben davon abhängen.
Trotzdem bewegte sich sein Arm erst einmal überhaupt nicht.
Natürlich nicht.
Er war schließlich ein Mann und ich keine Marvel-Figur.
Immerhin hatte ich aber das Gefühl, dass er nicht komplett nur mitspielte.
Das war schon mehr, als ich eigentlich erwartet hatte.
Unsere Hände blieben ziemlich genau in der Mitte stehen.
Okay.
Das lief überraschend ordentlich.
Vielleicht blamierst du dich doch nicht komplett.
Ich versuchte mich mehr auf meinen Arm zu konzentrieren als auf die inzwischen garantiert neugierigen Leute um uns herum.
Bloß jetzt nicht anfangen zu lachen oder irgendeinen dummen Spruch bringen.
Ralf dagegen wirkte immer noch viel zu entspannt.
Fast schon frech entspannt.
Und genau das nervte mich plötzlich mehr, als es sollte.
Als sein Widerstand dann etwas leichter wurde, merkte ich es sofort.
Natürlich.
Er ließ mich gewinnen.
Oder zumindest dachte er gerade darüber nach.
Und genau das wollte ich irgendwie nicht.
„Du nimmst das gar nicht ernst“, sagte ich, bevor ich überhaupt darüber nachdenken konnte.
Ralf grinste leicht.
„Doch“, meinte er. „Ich möchte dich nur nicht direkt sofort schlagen.“
Ach, halt doch die Klappe.
Leider machte genau dieser Satz etwas mit mir.
Nicht beleidigt.
Aber plötzlich wollte ich wirklich, dass er wenigstens einmal richtig dagegenhielt.
Also versuchte ich diesmal selbst deutlich mehr dagegenzudrücken.
Okay wow.
Er machte jetzt doch ernst.
Das merkte ich sofort.
Mein Arm bewegte sich leicht zurück und ich musste plötzlich deutlich mehr arbeiten, um überhaupt noch mitzuhalten.
Na toll.
Jetzt kriegst du die Quittung.
Trotzdem gefiel mir komischerweise genau das.
Weil er mich endlich nicht mehr wie ein zerbrechliches Mädchen behandelte.
Als ich seinen gelangweilten Spruch hörte: „Kommt da heute noch was?“ wollte ich ihm am liebsten gegen das Schienbein treten.
Stattdessen drückte ich einfach nochmal fester gegen seine Hand.
Und plötzlich rutschte ihm tatsächlich ein überraschtes: „Uff!“ raus.
Für einen kurzen Moment musste ich mir selbst das Grinsen verkneifen.
Okay.
Das kam offenbar wirklich an.
Allerdings hielt Ralf sofort wieder dagegen und ich merkte ziemlich schnell, dass ich langsam an meine Grenzen kam.
Er bewegte unseren Griff jetzt Stück für Stück in meine Richtung.
Tja.
Da war er wohl doch, der Unterschied zwischen uns.
Trotzdem wollte ich jetzt auf gar keinen Fall kampflos aufgeben.
Nicht nachdem ich diesen ganzen Wahnsinn überhaupt erst vorgeschlagen hatte.
Also stemmte ich mich einfach weiter dagegen.
Zentimeter für Zentimeter.
Irgendwann blieb seine Bewegung plötzlich stehen.
Okay?
Hatte er wieder nachgelassen?
Oder dachte er gerade darüber nach, wann der beste Zeitpunkt wäre, mich „ganz überraschend“ gewinnen zu lassen?
Wahrscheinlich Letzteres.
Männer mochten sowas doch.
Dieses charmante Gentleman-Ding.
Und ehrlich gesagt war mir das immer noch lieber, als komplett chancenlos weg gedrückt zu werden.
Also drückte ich einfach nochmal alles dagegen, was noch ging.
Mehr aus Ehrgeiz als aus Hoffnung.
Und plötzlich knallten unsere Hände auf den Tisch.
Ich blinzelte überrascht.
Oh.
Er hatte mich tatsächlich gewinnen lassen.
Und zwar deutlich besser, als ich gedacht hätte.
Für einen kurzen Moment wusste ich überhaupt nicht, wie ich jetzt reagieren sollte.
Jubeln wäre komplett bescheuert gewesen.
Also versuchte ich möglichst normal auszusehen, obwohl mein Herz inzwischen völlig verrückt spielte.
„Wow“, sagte Ralf lachend und schüttelte leicht den Kopf. „Du bist echt stark. Du hast mich klar besiegt.“
Natürlich sagte er das jetzt.
Trotzdem machte genau dieser Satz mich plötzlich glücklicher, als er wahrscheinlich sollte.
Perspektive 3 - Anja
Eigentlich hätte ich längst entspannter sein müssen.
Das Date lief gut. Wirklich gut sogar.
Die Idee mit dem Perspektivwechsel ist witzig. Die Idee mag ich. Der Nachbartisch - wenn die ihre Kommentare abgeben, dann soltest du sie auch vorstellen. Und dann kann auch ruhig was von ihnen noch nachkommen. Was weiss ich, Beteiligung an einem 2. Match oder MuscleTalk. Wenn die aber nur ein paar Kommentare bringen, brauchen die kein eigenes Kapitel. Abätze wären noch super, in den ersten Kapiteln.Das erleichtert die Lesbarkeit. Sonst: Gute Geschichte. Ich würde mich über eineFortsetzung aus den unterschiedlichen Blickwinkeln freuen.
Ja über eine Fortsetzung würde ich mich auch freuen. Die Idee von Klaus Muskeltalk einzubauen ist auch anregend. Gefallen würde mir auch wenn sich Anja durchaus ihrer Kraft bewusst ist und Ralf testen will wie er reagiert wenn er merkt dass sie viel stärker ist, ob er wie die anderen Männer das Weite suchen, weil sie Angst bekommen. Aber das wäre wohl eine andere Geschichte
Bei LOL Staffel 7 ist Michelle Hunziker. Die ist Mega fit. Für ein Promi breite Schultern und sehr austrainiert.
Flext auch gern auf insta
Bin aktuell bei rock im park, da die Sonne scheint sieht man eben auch viele Damen ärmellos, sind wie so oft heutzutage einige trainierte frauen zugegen. Interessant ist, es gibt beim Rock antenne stand einen hau den lukas wo auch viele Frauen sich probieren. Da haben die, die gut sichtbare muckis hatten oft nicht so gut abgeschnitten wie manch andere - sicher auch ne technikfrage, aber immerhin gabs im Umfeld dieses Standes ein paar flexe zu sehen 💪😋
Bin aktuell bei rock im park, da die Sonne scheint sieht man eben auch viele Damen ärmellos, sind wie so oft heutzutage einige trainierte frauen zugegen. Interessant ist, es gibt beim Rock antenne stand einen hau den lukas wo auch viele Frauen sich probieren. Da haben die, die gut sichtbare muckis hatten oft nicht so gut abgeschnitten wie manch andere - sicher auch ne technikfrage, aber immerhin gabs im Umfeld dieses Standes ein paar flexe zu sehen 💪😋
Interessante Ausführungen. Danke.
Interessante Ausführungen. Danke.
Gestern wars auch nochmal wie vorher geschildert plus ich hab nen flex bekommen und durfte sogar fühlen. Ich kam beim langen Stehen vor der Bühne mit einem Mädel um die 30 ins Gespräch, die meinte das stehen geht auf den Rücken und man müsste eigentlich den rücken trainieren dafür. Sie sah jetzt nicht unsportlich aus schlank halt. Hab sie dann einfach smalltalkmäßig gefragt, ob sie sport macht. Da meinte sie, sie hat früher tennis gespielt und ist klettern gegangen. Jetzt tipp von mir - bei solchen buzzwords einfach ein kleines Kompliment machen, dass sie immernoch sportlich aussieht. Sie hat sich bedankt und meinte, sie ist ihrer mutter für die gene dankbar. Dann einfach das Gespräch auf die arme legen - die durchaus definiert waren aber sie meinte sie habe keine Kraft mehr drin. Wenn man dann locker fragt "zeig mal" oder "spann mal an" mit dem Aufbau vorneweg wirkt es nicht creepy wie einige Vollidioten das immer machen. Ihr müsst der Frau ein gutes Gefühl geben. Sie hat mich dann sogar fühlen lassen. Wie gesagt ich sehe den Vorteil darin, dass es nicht wie bei brüsten oder Hintern ein körperbereich ist, der sexualisiert wird oder auch nich öffentlich präsentiert werden kann. Ebenso ist es einfacher mal einen Blick auf die arme zu werfen, als auf brüsten und Hintern zu glotzen, was halt asi und übergriffig sein kann - zu recht! Mancher steht halt auf Füße, die kriegst du jetzt vermutlich nur am Strand oder im Schwimmbad zu sehen, haha. Aber für alle gilt - nicht dauerglotzen wie ein notgeiler Bock, einige übertreiben eben immer maßlos!
Helene Fischer hat ihre neue Tour gestartet, leider ist sie formtechnisch weit weg von den muckis vergangener touren, sehr schade. Schätze mit 2 Kindern und ü40 tritt sie was das angeht jetzt kürzer...
Hallo zusammen!
Ich möchte euch gerne eine Geschichte präsentieren. Eine Geschichte über ein Date und aus welchen Blickwinkel ein Armdrücken gesehen werden kann.
Teilt mir gerne eure Gedanken zu diesem Versuch mit.